Interview mit Dominique Folletête

Dominique Folletête zieht eine positive Bilanz zum ersten Jahr der Regionalkonferenz Bern-Mittelland (RKBM). Im Interview nennt er die wichtigsten Errungenschaften und stellt fest, dass der Aktionsradius der Regionalkonferenz noch lange nicht ausgeschöpft ist.


Die RKBM feierte am 1.1.2011 ihr einjähriges Jubiläum. War es ein gutes Jahr?
Wir haben im Rahmen unserer Möglichkeiten einiges bewegt. Wir wollten bewusst den Worten – „die Region gemeinsam gestalten“ - Taten folgen lassen. Als Präsident der Geschäftsleitung nutzte ich diverse Anlässe, um die RKBM bekannter zu machen, für sie einzustehen und die Aufgaben und Ziele vorzustellen. Besonders wichtig war es uns, die Organisation zu stärken und den direkten Kontakt mit den Gemeinden zu knüpfen. Ausserdem haben wir unsere Anliegen gegenüber dem Grossen Rat eingebracht.


Was bleibt vom ersten Jahr?
2010 haben wir zwei grosse Geschäfte aufbereitet und bei den Gemeinden in die Vernehmlassung geschickt: Die Kulturverträge 2012 – 2015 mit den vier bedeutenden Kulturinstitutionen und das Regionale Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept (RGSK). Beide Geschäfte stiessen bei unseren Gemeinden auf reges Interesse und fanden auch in den Medien die gebührende Beachtung.


Wie verschafft sich die Regionalkonferenz politisches Gehör für ihre Aufgaben?
Eine wichtige Aufgabe ist die adressaten- und sachgerechte Aufbereitung der Informationen, um den Bedürfnissen der nebenamtlich engagierten Politikerinnen und Politiker aus den kleineren Gemeinden und der Vollprofis aus den grossen Agglomerationsgemeinden gerecht zu werden. Um den Austausch zu fördern, haben wir Informationsgefässe wie das Forum der Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten oder den Regionstag geschaffen. Diese Plattformen wurden auch für den formlosen Informations- und Erfahrungsaustausch unter den Gemeinden rege benutzt.


Welchen konkreten Nutzen erbringt die RKBM für ihre 97* Gemeinden?

Die Regionalkonferenz verfolgt eine gesamtregionale Strategie. Wir geben gemeindeübergreifende Leitlinien vor, auf die sich die Gemeinden in ihrer Planung und Tätigkeit abstützen können. Wir sind für das Funktionieren unseres Raums besorgt und schaffen die nötigen Voraussetzungen hierfür. Einige Beispiele: Arbeitsplätze am rechten Ort, öV im richtigen Takt, ein hochstehendes regionales Kulturangebot oder eine gezielte Förderung der peripheren Gebiete mit ihren wertvollen Naherholungsräumen. Wir bereiten den Boden vor, auf dem sich die Region über die Grenzen der einzelnen Gemeinde hinaus entfalten kann. Unsere Arbeit wird aber erst längerfristig an konkreten Beispielen sichtbar werden. So planen wir das Tram Region Bern mit. Erst bei der Inbetriebnahme wird die Bevölkerung vom konkreten Mehrwert profitieren. Als direkte Dienstleistung für unsere Bürgerinnen und Bürger nimmt zudem die öffentliche Energieberatung Bern-Mittelland 2011 ihre Tätigkeit auf.


Welches Gewicht hat die Geschäftsleitung innerhalb der Regionalkonferenz?

Die GL besteht aus 11 Personen. Ihr gehören der Präsident der Regionalversammlung und der Berner Stadtpräsident an. Zudem stellt jede Fachkommission eine Vertreterin oder einen Vertreter. Dank der Bildung von 7 geografischen (Wahl)Kreisen ist auch der ländliche Raum angemessen vertreten. Die GL bereitet die Beschlüsse der Regionalversammlung vor und setzt diese um, hat die Finanzen zu verantworten und sorgt für die Information der Öffentlichkeit.


Sie vertreten die Geschäftsleitung nach aussen. Was ist die wichtigste Eigenschaft, um dieses Gremium erfolgreich zu führen?

Es ist sicher von Vorteil, wenn der (nebenamtliche) Präsident einer kleineren Gemeinde – wie in meinem Fall Bremgarten mit 4'200 Einwohnerinnen und Einwohnern – die GL führt. Als Vermittler zwischen Stadt und Land wird ein Milizpolitiker vermutlich eher akzeptiert als ein Vollprofi aus der städtischen Agglomeration. In jedem Fall ist es aber für den Erfolg entscheidend, sich auf eine kompetente und engagierte Geschäftsstelle verlassen zu können.


Wie steht die Geschäftsleitung zur Hauptstadtregion Schweiz?

Die GL hat zu diesem Projekt eine positive Haltung. Ein konkreter Beschluss kann aber von der dafür zuständigen Regionalversammlung erst im nächsten Frühjahr gefällt werden.


Mit welchen Erwartungen gehen Sie ins neue Jahr?

Dank einem erfolgreichen Start sind wir nun mehr denn je dafür gerüstet, regionale Aufgaben gemeinsam anzupacken. Es ist eine spannende und lohnende Aufgabe, die uns alle antreibt. 2011 ist ein weiteres wichtiges Jahr für unsere Organisation. Es wird darum gehen, das Verhältnis von Kosten und Nutzen der Organisation auch gegenüber den Landgemeinden noch transparenter zu machen. Ich freue mich auf die gemeinsamen Herausforderungen.




* Durch die Fusion von Wahlern und Albligen per 1.1.2011 umfasst die RKBM neu 97 Gemeinden.

Dominique Folletête, Gemeindepräsident von Bremgarten, steht der RKBM-Geschäftsleitung seit Anfang 2010 vor. Im Rahmen von Sektorentreffen suchte er gemeinsam mit dem Präsidenten der Regionalkonferenz und der Geschäftsführerin den direkten Kontakt mit den Gemeindeverantwortlichen. Zudem ist er auch mit dem Kanton und den Exponenten der Wirtschaft bestens vernetzt.

 
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